Meerschweinchen: Erkrankungen erkennen und Erste Hilfe leisten

Meerschweinchen: Erkrankungen erkennen und Erste Hilfe leisten

Wie erkenne ich, dass mein Meerschweinchen krank ist? Leider verbergen Meerschweinchen – wie auch Kaninchen und andere Nager – Krankheiten möglichst lange. Sie folgen damit ihrem Instinkt, denn bei wildlebenden Meerschweinchen werden kranke Tiere in der Regel aus dem Rudel ausgeschlossen, damit sie keine Fressfeinde anziehen und so das Rudel gefährden. Für uns Halter bedeutet das, dass wir unsere Meerschweinchen aufmerksam beobachten und bei Krankheitsanzeichen sofort reagieren müssen, denn solche Anzeichen bedeuten, dass das Tier schon längst Hilfe braucht.

Tatsächlich gibt es eine einfache Regel, wie sich eine Erkrankung rasch erkennen lässt: Kommt das Meerschweinchen wie gewohnt zur Fütterung – oder hat es keinen Appetit? Ein Meerschweinchen ohne Lust auf Futter ist kein gesundes Meerschweinchen. Die einzige Ausnahme sind alte Tiere, die auch schon mal eine Fütterung verschlafen. Ansonsten aber wird jedes Meerschweinchen bei Aussicht auf eine Handvoll Heu, frisches Gras oder einen Gemüseleckerbissen sofort Interesse zeigen. Dadurch können Sie bei der täglichen Fütterung auf einfache Weise prüfen, ob mit Ihren Meerschweinchen alles in Ordnung ist.

Kommt ein Tier nicht zur Fütterung gelaufen, halten Sie ihm einen Leckerbissen direkt unters Schnäuzchen. Wenn es ihn annimmt und zu futtern beginnt, war das Fernbleiben Fehlalarm. Zeigt das Tier aber weiterhin kein Interesse am Futter oder dreht sich gar zur Wand, dann ist schnelles Handeln gefragt: Möglicherweise hat das Meerschweinchen schon seit Stunden nichts mehr gefressen. Dadurch setzen Gärungsprozesse ein, die rasch zu einer hochschmerzhaften und oft sogar tödlich verlaufenden Aufblähung führen können.

Erste Hilfe bieten Präparate, die Blähungen auflösen, wie z.B. Sab simplex® oder Dimeticon®. Dazu sollte das Meerschweinchen auch sofort verdauungsfördernde Mittel und Päppelbrei bekommen, damit die Darmperistaltik wieder in Gang gesetzt wird.

Auf jeden Fall muss ein Meerschweinchen, das nicht fressen will, so rasch wie möglich dem Tierarzt vorgestellt werden – hier kommt es auf jede Stunde an. Der Tierarzt stellt die eigentliche Ursache der Futterverweigerung fest – hier ist ein breites Spektrum von Abszess bis Zahnproblematik möglich – und leitet eine entsprechende Behandlung ein. Die Versorgung mit Päppelbrei und verdauungsfördernden Präparaten ist dabei weiterhin so lange notwendig, bis das Meerschweinchen wieder von selbst frisst. Sobald es anfängt, eigenständig an Heu zu zupfen, ist dies ein Zeichen, dass es auf dem Weg der Besserung ist.

Tierheilpraktiker können Ihnen helfen, zusätzlich zur tierärztlichen Behandlung Mittel einzusetzen, die das Verdauungssystem der Meerschweinchen nicht so stark belasten wie die üblichen schulmedizinischen Präparate zur Behandlung von Infektionen (z.B. Antibiotika) oder Parasitenbefall. Ebenso können solche Mittel den Heilungsprozess unterstützen und beschleunigen.

Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie einen Tierarzt oder Tierheilpraktiker finden, der explizit Erfahrung in der Behandlung von Meerschweinchen besitzt: Unsere kleinen Nager sind leider sehr empfindlich, wenn sie erst einmal erkrankt sind, sodass umfassende Erfahrung und Wissen um verschiedene Heilmethoden dringend gefragt sind.
Rat und Hilfe finden Sie auch bei Meerschweinchen-Notorganisationen, die im Internet zu finden sind und häufig telefonische Beratung bieten – dies ist jedoch kein Ersatz für die Konsultation eines Tierarztes.

Anzeichen von Krankheit bei Meerschweinchen

• Verweigerung der Nahrungsaufnahme – Notfall!
• Apathie, regelmäßiges Zucken (= Anzeichen von Schmerzen)
• Absonderung von der Gruppe
• gesträubtes, struppiges Fell
• deutlicher Gewichtsverlust innerhalb weniger Tage (mehr als 50g)
• Atemgeräusche, Niesen, Nasenausfluss
• erschwerte Atmung (sichtbar an den Flanken)
• trübe, geschwollene, gerötete oder tränende Augen
• matschige Köttel
• hektisches Kratzen oder Nagen am Fell
• haarlose Stellen im Fell (ggf. auch mit Rötung, Bläschen oder Kratzwunden)
• Umfangsvermehrung (Schwellung) an Rumpf oder Gliedmaßen
 

Achtung:
Ein erkranktes Tier sollte nur aus der Gruppe genommen werden, wenn dies vom Tierarzt ausdrücklich empfohlen wird. Ansonsten fördert das Leben im vertrauten Umfeld den Heilungsprozess.

Dieser Ratgeber wurde von Prof. Dr. Linda Maria Koldau verfasst. Sie ist Autorin des Buches Meerschweinchen im Kosmos Verlag und hat sich als Tierheilpraktikerin auf Meerschweinchen spezialisiert

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